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Stadtansicht Gaildorf 1784

Stadtgeschichte

Die Schenken von Limpurg

Die Geschichte der "Schenken von Limpurg" beginnt mit dem Bau der Limpurg bei Schwäbisch Hall durch Schenk Walter von Schüpf um das Jahr 1220. Zehn Jahre später nennt er sich Walter "von Limpurg". Der Bezug der Schenken von Limpurg zu Gaildorf ist erstmals in einer Urkunde von 1260 nachgewiesen, in der Rabenoldus de Geilendorff, Angehöriger des hiesigen Rittergeschlechts, Zeuge des Schenken Walter ist.

1280 erlitten die Schenken von Limpurg eine Niederlage in Auseinandersetzung mit den Hallern, nachdem König Rudolf diese zugunsten der Haller entschieden hatte. Sie blieben aber der wichtigste Holzlieferant für die Salzsiederstadt Hall. 1286 gingen die Besitztümer der Ritter "de Geilendorff" nach deren Aussterben auf die Schenken von Limpurg über. Dazu gehörte auch die Burg, auf deren Grundmauern jetzt das Alte Schloss steht.

In der "Goldenen Bulle" Karls IV. aus dem Jahr 1356 wurde den Schenken das Erbschenkenamt zugesichert. Das Schenkenamt war ein hohes Hofamt, insbesondere der Staufer. Schenk, Truchsess, Kämmerer und Marschall waren die engsten Berater des Kaisers, sie bildeten den Hof, d. h. die Regierung.

Nach der Goldenen Bulle sollte der Schenk bei feierlichen Reichstagen zu Pferd vor den Kaiser kommen - einen silbernen Pokal oder Becher mit einer Mischung von Wasser und Wein in den Händen. Nachdem er vom Pferd abgestiegen war, reichte er dem Kaiser den Pokal zum Trunke. Vom ihm erhielt der Schenk daraufhin Pferd und Becher zum Geschenk.

Gaildorf als Residenz

Nach der Verleihung der Stadtrechte im Jahr 1404, bauten die Schenken die Stadt aus. Vom Jahr 1482 bis zum Aussterben der beiden Linien der Schenken im Mannesstamm in den Jahren 1690 und 1713 war Gaildorf eine Residenz der Schenken.

Mit dem Mannesstamm erlosch auch die Erbfolge der Schenken. Die letzten erbberechtigten Söhne hinterließen zusammen 10 erbberechtigte Töchter. Es begann eine stetige Erbteilung der ehemaligen Reichsgrafschaft Limpurg. Aus allen Himmelsrichtungen gaben sich Grafen und Fürsten in Gaildorf ein Stelldichein. Jeder erhoffte einen nicht minderen Teil des riesigen Erbes übernehmen zu können.

Vor allem der, mit der Heirat verbundene, Sitz im Reichstag und die somit erlangte relative Macht im Reiche waren für viele ein wichtiger Grund nach Gaildorf zu kommen. "Nachkommen" der Schenken wie z. B. die Pückler, die Bentheim, die Solms, die Waldeck und die Bentinck gaben der Stadt Gaildorf plötzlich ein buntes Aussehen. Doch im Schloss lebten Sie allesamt nicht mehr.

Das Alte Schloss

Das Alte Schloss wurde in einem Vertrag zwischen Schenk Friedrich von Limpurg und der Stadt Hall im Jahre 1399 urkundlich in Form einer "Veste", einer Burg erstmals erwähnt. Dieser Vertrag regelte die Holzflößerei auf dem Kocher zu den Salzsiedern der Stadt Hall. Der Vertrag und das 35 Jahre später entstandene Siegel der Stadt Gaildorf, das noch heute das Floß zeigt, belegt, wie wichtig das Holzflößen zur damaligen Zeit für Gaildorf war.

 Im Jahre 1700 ehelichte Juliane Dorothea von Limpurg, die Tochter des Schenkenpaares Wilhelm Heinrich und Elisabeth Dorothea, den Grafen Johann Wilhelm von Wurmbrand aus der Steiermark. Nach dem Grafen Johann Wilhelm von Wurmbrand wurde der große Saal des Alten Schlosses benannt.

Die Konstruktion der eichenhölzernen Renaissancedecke wurde unter eine ältere, auch heute noch zum Teil erhaltende Stuckdecke erbaut. Das Besondere dieser Decke ist, dass sie freitragend ist und eine außerordentliche statische Leistung darstellt. Im Wurmbrandsaal fand bereits die Hochzeit der Juliane Dorothea mit dem Grafen Johann Wilhelm von Wurmbrand statt. Später erbte sie einen beachtlichen Teil des Schlosses.

Die Grafen von Pückler-Limpurg erbauten sich in Gaildorf im Jahre 1778 ein stattliches Schloss. Dieses "Neue Schloss" wurde 1868 beim Stadtbrand zum ersten Mal und nach dem Wiederaufbau 1945 bei Kriegsende durch deutschen Beschuss zusammen mit der Stadtkirche endgültig zerstört.

Hingegen beherbergte das Alte Schloss, das die Kriegszeit ohne größere Schäden überstand, in den Nachkriegsjahren Flüchtlinge und ausgebombte Familien aus Gaildorf bzw. Umgebung. Mitte der 1950er Jahre war im Wurmbrandsaal eine Textilfirma untergebracht.

Mit Beginn der 1970er Jahre begannen die Renovierungen im Alten Schloss. Sie dauern bis heute an. Die Räumlichkeiten werden nun als Vereinsräume, Ausstellungsräume und Wohnungen genutzt. Das Alte Schloss ist Teil des Stadtlebens.

Der Schenkenbecher

Der berühmte, seit 2014 im Besitz der Sammlung Würth befindliche Schenkenbecher wurde lange Zeit im neuen Schloss, dem heutigen Rathaus  aufbewahrt.

Der in der Literatur auch als „Erbschenkenpokal des Grafen von Limpurg“ bezeichnete Becher gilt wegen seiner außergewöhnlichen Größe,  seiner kunstvollen Gestaltung und seiner historischen Bedeutung als herausragendes Meisterwerk der Goldschmiedekunst der deutschen Hochrenaissance. Zweifellos ist er zudem auch eine der wertvollsten  Hinterlassenschaften der Familie der Schenken von Limpurg.

Als einzig erhaltener Pokal aus Edelmetall, der bei einer Krönungszeremonie eingesetzt wurde, besteht der zwei Kilo schwere Deckelpokal aus vergoldetem Silber, ist 58 cm hoch und wurde 1561/62 in Nürnberg von dem Goldschmied Christoph Ritter (+1598) gestaltet. Die Cuppa, das eigentliche Trinkgefäß in seiner heutigen Form, fertigte vermutlich wegen einer Beschädigung, wohl wenig später der Haller Goldschmied Philipp Bonhöffer (+1613). Der Deckel aus vergoldetem und emailliertem Silber wurde vermutlich in Augsburg gefertigt. In den Besitz der Schenken von Limpurg gelangte das kostbare Objekt 1562 durch Schenk Christof III. (1531 - 1574), der bei der Krönung Maximillians II. in Frankfurt zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation den zeremoniellen Schenkendienst versah und dafür den Becher zum Dank erhielt.

 Von 1848 bis 1907 wurde der Pokal im gräflichen Sommersitz, dem „Neuen Schloss“ und heutigen Rathaus der Stadt Gaildorf, aufbewahrt und  schließlich durch die gräflichen Familien Bentinck, Waldeck-Limpurg und später Ortenburg als Dauerleihgabe dem Landesmuseum Württemberg überlassen. Nach dem Erwerb  durch die Sammlung Würth stand der Pokal von 18.05.2015 - 20.08.2015 im Zentrum der Ausstellung „Silberhirsch & Wunderprunk. Das Victoria & Albert Museum zu Gast in der Kunstkammer Würth“ in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall.

Dank der im Jahr  2000 von Landeskonservator Peter Heinrich geschaffenen überzeugenden Nachbildung des Schenkenbechers ist das auch den Besuchern des Stadtmuseums von Gaildorf im Alten Schloss möglich. Eine Gelegenheit, die man sich keinesfalls entgehen lassen sollte!


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